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Inhalt / content


Sonderworkshop am 02.03.2010 in Erfurt

Atmosphärendruckplasma und Medizin – Chancen und Perspektiven

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Programm

09:30    Begrüßung / Eröffnung des Workshops
            Dr. Hans-Helmut Große, Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie, Referatsleiter                   Forschungsförderung
            Andreas Krey, Sprecher Geschäftsleitung der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH

09:45    Plasmamedizin - ausgewählte Chancen und Risiken bei der Nutzung von Plasmen in der Medizin Prof.      Klaus-Dieter Weltmann, Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. Greifswald

10:30    BioLiP-Projektverbund 2006 bis 2009: Wundheilung mit Atmosphärenplasmen
            Dr.-Ing. Roland Gesche, Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik Berlin

11:00    Kaffeepause

11:30    Plasmabehandlung von Hautpilzen
            Dr. med. Georg Daeschlein, Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

11:45    Plasmaanwendungen in der Dermatologie
            Prof. Dr. Jürgen Lademann, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Berlin

12:15    Plasma in der Zahnmedizin
            PD Dr. Stefan Rupf, Klinik für Zahnerhaltung, Paradontologie und Präventive Zahnheilkunde,              Universitätsklinikum des Saarlandes

12:45    Anforderungen an Implantate in der Orthopädischen Chirurgie, welche Materialien bieten Potenzial
    Prof. Dr. med. habil. Dipl.-Ing. Rainer Bader, FORBIOMIT Rostock

13:15    Mittagspause

14:00    Sterilisation und Dekontamination mit Atmosphärendruckplasma - Möglichkeiten und Mechanismen
            PD Dr. Thomas von Woedtke, Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. Greifswald

14:30    Niedertemperatur Argon Plasma – eine neue Strategie zur Behandlung chronisch infizierter Wunden
            Dr. med. Georg Isbary, Städtisches Klinikum München Krankenhaus Schwabing GmbH

15:00    Kaffeepause

15:30    Polymerbasierte Wundauflagen für die Anwendung in der Wundheilung
            Dipl.-Biochem. Cornelia Wiegand, Klinik für Dermatologie und dermatologische Allergologie,                 Universitätsklinikum Jena

16:00    Untersuchung der Benetzungseigenschaften von Implantatmaterialien
            Dr. Christine Bilke-Krause, KRÜSS GmbH Hamburg

16:30    Podiumsdiskussion
            Prof. Klaus-Dieter Weltmann, Prof. Klaus Liefeith, Prof. Peter Awakowicz

gegen
17:00    Abschluss der Veranstaltung

Rückblick auf die Veranstaltung

Atmosphärendruckplasma trifft Medizin – Chancen und Perspektiven

Erstes nationales interdisziplinäres Treffen von Naturwissenschaftlern, Technikern und Medizinern zu Anwendungsmöglichkeiten von physikalischem Plasma für die Wundbehandlung.

Der Workshop "Atmosphärendruckplasma trifft Medizin - Chancen und Perspektiven" am 02. März 2010 im ComCenter in Erfurt war mit 70 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz das erste interdisziplinäre Treffen von Naturwissenschaftlern, Technikern und Medizinern zu diesem neuen und innovativen Gebiet medizinischer Behandlungsmethoden. In Anlehnung an die Geburtsstunde der Lasermedizin vor ca. 25 Jahren sind sich alle Beteiligten einig, dass die Plasmamedizin eine ähnliche Popularität erlangen kann. Schon heute sind erste Behandlungserfolge durch medizinische Studien belegt.
Aus den Vorträgen und Diskussionen ergab sich ein Überblick über aktuell in der Entwicklung befindliche Möglichkeiten zur Behandlung von Materialien für die medizinische Anwendung und zur direkten Wundbehandlung und Studien zu deren Einführung in die medizinische Praxis.

Zwei Hersteller von kalten Plasmaquellen präsentierten ihre für eine direkte medizinische Wundbehandlung vorgesehenen bzw. im Test befindlichen Plasmaquellen. Die Gäste aus verschiedenen Instituten der Grundlagen- und angewandten Forschung, Universitätskliniken, Medizintechnik-Firmen und Plasmaanlagenherstellern erhielten Informationen über den aktuellen Stand der Erforschung der den Behandlungsergebnissen zu Grunde liegenden Phänomene und Wirk-Mechanismen und zu laufenden medizinischen Studien.
Nach der Begrüßung durch die Koordinatorin des Anwenderkreises, Dr. Kerstin Horn, wurde der Workshop durch einführende Worte von Dr. Hans-Helmut Große, Referatsleiter Forschungsförderung des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Technologie und Dr. Arnulf Wulff, Abteilungsleiter Akquisition, Technologie und Internationale Kontakte der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH eröffnet. Referent des ersten Fachvortrages war Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann, Direktor und Vorstandsvorsitzender des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V.(INP Greifswald) und Mitinitiator des Workshops. Thema seines einführenden Vortrages war die „Plasmamedizin – ausgewählte Chancen und Risiken bei der Nutzung von Plasmen in der Medizin“. Prof Weltmann konnte hier über mehrjährige Arbeiten im Rahmen des vom BMBF geförderten Projektes “Campus PlasmaMed“ sowie des Zentrums für Innovationskompetenz „plasmatis“ berichten. Anschließend wurden von Dr. Jörg Liebmann aus der Forschungsgruppe Immunbiologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Arbeiten zu „Biologische Effekte eines Atmosphärendruck-Gasplasmas auf menschliche Hautzellen“ vorgestellt. Diese Untersuchungen wurden im Rahmen des BioLiP-Projektverbundes zwischen 2006 und 2009 durchgeführt.
      
Schema der Wirkung von physikalischem Plasma auf lebende Zellen (Abb. von Prof. Weltmann)    Schema einer plasma-supplementierten Wundheilung (Abb. von Prof. Weltmann)
Im zweiten Vortragsblock wurden mehrere Untersuchungen von Medizinern zum konkreten Einsatz von physikalischem Plasma bei Normaldruck in der Dermatologie, der Stomatologie und der Orthopädie präsentiert. Dr. Georg Daeschlein von der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald sprach zur „Plasmabehandlung von Hautpilzen“. Thema der Ausführungen von Prof. Dr. Jürgen Lademann von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Berlin waren „Plasmabehandlungen in der Dermatologie“, speziell Untersuchungen zur Frage der Temperatur- und UV-Belastung des Gewebes während der Plasmabehandlung.
“Plasma in der Zahnmedizin“ war der Titel des Vortrages von PD Dr. Stefan Rupf, Klinik für Zahnerhaltung, Paradontologie und Präventive Zahnheilkunde des Universitätsklinikums des Saarlandes. Im Mittelpunkt der Präsentation standen Arbeiten zu den Effekten kalter atmosphärischer Plasmen auf orale Mikroorganismen sowie orale Biofilme, auf gesunde und kariöse Zahnsubstanzen und auf Implantatmaterialien.
Eine „optimale Oberflächenfunktionalisierung von Implantaten für die orthopädische Chirurgie“ war Inhalt der Ausführungen von Prof. Dr. Rainer Bader vom Forschungslabor für Biomechanik und Implantat-Technologie der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universität Rostock. Implantate für die Orthopädische Chirurgie sollen biokompatibel sein, das heißt keine Immunreaktionen, Infektionen sowie toxische Effekte im Organismus auslösen. Mittels Atmosphärendruckplasma besteht die Möglichkeit, Implantatoberflächen je nach geplanter Verweildauer im Organismus in ihren adhäsiven Eigenschaften variabel zu gestalten.
     
Nach der Mittagspause hielt Dr. Christine Bilke-Krause von der Krüss GmbH Hamburg einen Vortrag zu „Untersuchungen zu den Benetzungseigenschaften von Implantatmaterialien“ am Beispiel von Kontaktwinkelmessungen an Zahnimplantaten. Dr. med. Georg Isbary vom Städtischen Klinikum München Krankenhaus Schwabing GmbH stellte Ergebnisse einer Studie zum Einsatz von „Niedertemperatur Argon Plasma – eine neue Strategie zur Behandlung chronisch infizierter Wunden“ vor. Hier konnten chronisch infizierte Wunden mit einer Fläche bis zu 4 cm2 behandelt werden. In der Studie wurde sowohl eine keimabtötende Wirkung des Plasmas als auch die Unbedenklichkeit für das menschliche Gewebe deutlich demonstriert.

Dipl.-Biochem. Cornelia Wiegand aus dem Forschungslabor der Klinik für Dermatologie und dermatologische Allergologie informierte die Workshop-Teilnehmer über Ihre Arbeiten im Rahmen der Promotion zum Thema „“Polymerbasierte Biomaterialien für die Anwendung in der Wundheilung“. Den Abschluss der Fachvorträge des Workshops bildete der Übersichtsvortrag „Sterilisation und Dekontamination mit Atmosphärendruckplasma – Möglichkeiten und Mechanismen“ von PD Dr. Thomas von Woedtke vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.. Er zeigte zusammenfassend das hohe Anwendungspotenzial der Plasmamedizin und verwies darauf, dass für die Erschließung dieses Potenziales eine umfassende und verantwortungsvolle Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie und medizinischen Anwendern unerlässlich ist.
Im Anschluss an die Fachvorträge wurden die Möglichkeiten und Entwicklungstendenzen für die Erschließung physikalischer Plasmen für medizinische Behandlungen im großen Kreis diskutiert. Grundtenor der Diskussion war die Forderung nach neuen Erkenntnissen zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Plasmamedizin, um die Anwendungen der Plasmamedizin fundiert vorantreiben zu können. Der Workshop endete mit einem Get-together.

Im Ergebnis einer Teilnehmerbefragung im Rahmen des Workshops hat sich der Wunsch nach einer erneuten Organisation eines weiteren Plasmamedizin-Workshops im Jahr 2011 herauskristallisiert. Dieser Aufgabe stellt sich der Anwenderkreis Atmosphärendruckplasma gern in Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem INP Greifswald. Der Workshop am 02. März 2010 in Erfurt war aus Sicht der Organisatoren und Teilnehmer ein voller Erfolg und ein wichtiger Schritt für die Erhöhung der Popularität der Plasmamedizin. Der Einsatz kalter physikalischer Plasmen bei Normaldruckbedingungen für medizinische Anwendungen kann zukünftig neue Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten erschließen.

Der Anwenderkreis Atmosphärendruckplasma bedankt sich ganz herzlich für die Unterstützung des Workshops durch die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH (LEG), die Arbeitsgemeinschaft Material innovativ Thüringen und das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie. Die wissenschaftliche Leitung lag in Händen von Prof. Dr. Dr. Gunther O. Hofmann. Die Veranstaltung wurde von der Landesärztekammer Thüringen mit 7 Punkten zertifiziert.

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